Wegen der aktuellen Corona-Pandemie setzen auch wir die Treffen unserer Selbsthilfe aus, solange dies notwendig erscheint. Absehbar betroffen davon ist derzeit das Selbsthilfetreffen am 14. April, welches ersatzlos entfällt. Informationen über weitere Änderungen bzw,. Ausfälle werden wir hier veröffentlchen. Natürlich bleiben wir auch weiterhin per E-Mail und telefonisch über die auf unserer Kontaktseite genannten Wege erreichbar. Bitte bleiben Sie gesund!

Ein bedeutendes Phänomen in Familien, in denen die Kinder nur mit einem Elternteil zusammen leben, ist das Phänomen der "Entfremdung", auch EKE (Eltern-Kind-Entfremdung), PAS (Parental Alienation Syndrom) oder AB-PA (Attachment Based Parental Alienation) genannt. 

Eltern-Kind-Entfremdung ist wird von einigen Menschen bestritten. Wobei es paradoxerweise nicht umstritten ist, dass Kinder Entfremdung erleben. Aber dies als "Syndrom", also als Krankheitsbild einzustufen, geht Professionen zu weit. Sie siehen die Entfremdung des Kindes von einem Elternteil, meist vom Vater, als naturgegeben an und ordnen dem durch Entfremdung betroffenen Kind Sozialkompetenz zu. Die wissenschaftlich belegten, gesundheitsschädlichen Auswirkungen werden dabei ignoriert.

sad boyEin von Entfremdung betroffenes Kind lehnt einen Elternteil ab, so lautet die gebräuchlichste Formulierung. In Wirklichkeit hegt das von Entfremdung betroffene Kind in der Regel abgrundtiefen Hass gegen den entfremdeten Elternteil, für den es keinen in der Person auffindbaren Grund gibt. Für dieses Verhalten ist gemeinhin der entfremdende Elternteil verantwortlich, welcher den anderen gegenüber dem Kind ständig in ein schlechtes Licht rückt, sich über Nickeligkeiten aufregt oder gar Tatsachen verdreht und zu Unrecht Vorwürfe macht. Dieses Verhalten wird kombiniert mit gespielter oder tatsächlich empfundener - objektiv aber nicht nachvollziehbarer - Hilflosigkeit, so dass das Kind ständig das Gefühl hat, es müsse dem entfremdenden Elternteil helfen, diesen von Not befreien und vor dem "bösen anderen" schützen. Diese Botschaften laufen auf rein emotionaler Ebene und sind daher schon für Kleinkinder verwertbar und werden auch von Heranwachsenden in der Regel nicht durchschaut. Das Kind, welches natürlich ständig überfordert ist, seinen Elternteil zu schützen, ihm zu helfen und zu retten, verspürt selber Hilflosigkeit (die auch objektiv nachvollziehbar ist) und entwickelt Wut und Hass, welche sich bald gegen den vermeintlichen Täter ausrichten, der den Familienfrieden bedroht. 

Kinder, die in einer Entfremdungspirale sitzen, bekommen weder Aufklärung noch Hilfe. Niemand hinterfragt, was der entfremdende Elternteil und das Kind über den Abwesenden. Dies hat zur Folge, dass erwachsene Menschen zumindest Empathie oder Mitlied empfinden oder gar aktive Unterstützung im vermeintlichen Kampf gegen das Böse zusagen. Das Kind erlebt: Der entfremdende Elternteil macht alles richtig und jeder hasst den anderen. 

Kinder stammen nicht nur biologisch von ihren leiblichen Eltern ab. Sie tragen die elterlichen Gene in sich und entwickeln sich nur dann zu sozial- und emotional­kompetenten Menschen, wenn ihre genetische Bestimmung auch von denjenigen Eltern geleitet, geprägt und gefördert wird, von denen sie abstammen. Denn nur diese wissen in der Regel, wie sie mit den genetischen Grundlagen, die sie dem Kind vererbt haben, soziale und emotionale Kompetenz entwickeln und sich in psychischer und physischer Hinsicht auf ihre Stärken und Schwächen einlassen können. 

efkir kritisiert das routinemäßige Vorgehen von Jugendamts­­mit­arbeiterinnen, Mitarbeitern von Beratungs­stellen, Familien­richterinnen und psycho­logischen Sach­verständigen (alle m/w/d), welche nur punktuell auf die bestehenden Bindungs­verhältnisse zwischen dem Kind und seinen zwei Elternteilen schauen und diese zur Grundlage aller Entscheidungen machen.

sad boy2Verliert ein Kind die Bindung zu einem Elternteil - oder hatte es nie die Gelegenheit, eine Bindung aufzubauen - werden dem Kind allenfalls Minimal­kontakte zu diesem zugestanden. Für die kindliche Entwicklung ist es aber unabdingbar, dass es ein Gleichgewicht im kindlichen Bindungs­bedürfnis gibt, so dass das Kind mal den einen, mal den anderen Elternteil ablehnen kann. Nur eine solche Entwicklung ist "normal" und schafft die Grundlage für Bindungs­sicherheit bis ins hohe Alter. Prof. Dr. med. Karl Heinz Brisch aus Ulm bietet hierfür von Theorie bis Praxis und Fortbildung alles an, was Fachkräfte zu dem Thema wissen müssten. 

Ein Gleichgewicht im kindlichen Bindungsbedürfnis muss so gestaltet sein, dass das Kind sich jederzeit an einen der beiden Elternteile binden oder diesen ablehnen darf und kann. Im Gegensatz zum Fachbegriff der "Bindungstoleranz" stützt sich das Gleichgewicht im kindlichen Bindungsbedürfnis nicht auf die Toleranz der Eltern, Bindungen zuzulassen, sondern auf das Bedürfnis des Kindes, Bindungen jederzeit ablehnen und annehmen zu wollen. Unabhängig vom Alter der Kinder wechseln Bindungen algorithmisch und themenorientiert. Ein Elternteil kann monate- oder jahrelang Hauptbezugsperson des Kindes sein, und dennoch wechseln Kinder während ihres Heranwachsens mehrmals die Auswahl der Hauptbezugsperson. Neben der Hauptbezugsperson wird aber auch der andere Elternteil regelmäßig, je nach Verfügbarkeit, bevorzugt. 

Wenn es also um die Interessen und das Wohl des Kindes geht, sollte ihm jeder Elternteil stets zur Verfügung stehen. Da dies bei getrennten Eltern nicht möglich ist, sollte zumindest jeder Elternteil in einem ausgewogenen Maß zur Verfügung stehen, so dass das Gleichgewicht im kindlichen Bindungsbedürfnis hergestellt ist. 

Es ist falsch, wenn Professionen, die dem Kindeswohl frönen, von getrennt lebenden Eltern fordern, dass sie den Beweis erbringen, dass sie eine gute Bindung zu ihrem Kind haben. Richtig wäre, dass Fachkräfte das Gleichgewicht im kindlichen Bindungsbedürfnis als neutrale Stelle ermitteln und dort unterstützen und fördern, wo eine Bindung zu schwach erscheint oder zu kippen droht.

Zwei KissenBei Trennung und Scheidung gilt in Deutschland auch heute noch das gesetzlich vorgegebene Prinzip der sogenannten Einzelresidenz. Hierbei wird nur einem Eltern­teil die Betreuung des Kindes zugeordnet, während der andere Elternteil ausschließlich für die Finanzierung verantwortlich ist und ihm ein Umgangsrecht eingeräumt wird. Dies führt in der Regel dazu, dass das Kind den engen Kontakt zu dem nicht betreuenden Elternteil verliert, weil dieser nicht mehr am Alltagsleben des Kindes teilnehmen kann.

Boykottiert oder beschränkt der betreuende Elternteil den Umgang, so stellt die verfassungs­mäßige Gleichstellung der Eltern als Makulatur heraus. Familiengerichte zeigen sich häufig allein schon aus Zeitgründen überfordert mit der individuellen Bewertung des Einzelfalls, ignorieren in der Regel die Bedürfnisse und Wünsche der betroffenen Kinder und urteilen aus Gewohnheit nach den veralteten Ideologien der 50-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Was könnte man besser machen? Die internationale Forschung belegt schon seit Jahren, dass für eine gesunde Entwicklung von Kindern beide Elternteile notwendig sind. Sie erledigen ihre Aufgaben in Betreuung und Erziehung auf unterschiedliche Weise und geben Ihrem Kind jeweils ihren Anteil an Rüstzeug für das Leben mit. Ein gleich gutes Verhältnis zu beiden Elternteilen kann aber nur dann erhalten werden, wenn beide auch nennenswerte Alltagszeit mit dem Kind verbringen können. Es kommt hierbei nicht nur auf die Qualität der miteinander verbrachten Zeit an, sondern auch auf die Quantität.

Eine paritätisch aufgeteilte Betreuung durch Mutter und Vater wird häufig als Wechselmodell bezeichnet. Dies ist jedoch irreführend, die in der Praxis die Wechsel für Kinder zwischen den Haushalten seltener stattfinden als bei der Einzelresidenz. Insofern ist der Begriff der "Doppelresidenz" vorzuziehen. Betrachtet man aber die üblichen Umgangsregelungen im Residenzmodell mit 14-tägigen Wochenenden und einem weiteren Tag unter der Woche, so haben die Kinder pro Monat zwischen 8 und 12 Wechsel von einem zum anderen Elternteil zu bewältigen. Bei der Doppelresidenz in der häufig gewählten Form „eine Woche Mama – eine Woche Papa“ sind es pro Monat nur 4 Wechsel. Somit ist das Residenzmodell häufig das eigentliche „Wechselmodell“.

kids banner„Eltern für Kinder im Revier" (efkir) ist ein Selbsthilfeverein für Väter, Mütter, Kinder und ihren Familien und Freunden, die von Trennung und Scheidung betroffen sind. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Im Fokus steht insbesondere die Aufrechterhaltung der Bindungen und Beziehungen der Kinder zu beiden Eltern und zu ihren jeweiligen Familien- und Freundeskreisen. Weitere Hilfen betreffen alle klassischen Fragen einer Trennung/Scheidung: Sorge, Betreuung, Eltern-Kind-Entfremdung, Unterhalt und vieles mehr. Auch der richtige Umgang mit Behörden, Gerichten, Familienberatern und Rechtsanwälten ist zentrales Thema unserer Selbsthilfe. Aufgrund unserer Herkunft und unseres Sitzes in Essen kon­zentrieren wir uns mit unserer Arbeit auf den Großraum Ruhrgebiet, sind aber natürlich auch offen für Interessierte und Betroffene aus allen Teilen Deutschlands.